Wärmepumpe im Altbau

Die Frage wird fast immer falsch gestellt. Es geht nicht darum, ob Ihr Haus alt ist, sondern darum, welche Vorlauftemperatur es an kalten Tagen tatsächlich braucht. Ein saniertes Haus von 1935 ist für eine Wärmepumpe oft besser geeignet als ein unsanierter Bau von 1995.

Jetzt Angebot anfragen

Stand: 31. August 2026 · Maier Heiztechnik GmbH, Köngen · für Gebäude in Köngen, Esslingen, Stuttgart und Umgebung

Die eine Zahl, auf die es ankommt

Eine Wärmepumpe holt Wärme aus der Außenluft oder dem Erdreich und hebt sie auf Heiztemperatur. Je weiter sie heben muss, desto mehr Strom braucht sie. Deshalb entscheidet die Vorlauftemperatur über die Wirtschaftlichkeit – und nicht das Baujahr, die Fassade oder das Bauchgefühl.

Nötige Vorlauftemperatur am kalten TagEinschätzung
bis 55 °CWärmepumpe arbeitet wirtschaftlich, meist ohne größere Eingriffe
55 – 70 °CSinnvoll, wenn vorher einzelne Heizflächen vergrößert und die Anlage abgeglichen wird
über 70 °CIn der Regel nicht die richtige Antwort. Dann kommen Hybrid, Pellet oder ein Wärmenetz infrage

Der Test, den Sie selbst machen können

Sie brauchen dafür keinen Fachmann und keine Software, sondern einen kalten Winter und etwas Geduld:

  1. Alle Thermostatventile ganz aufdrehen. Sonst messen Sie die Ventile und nicht das Gebäude.
  2. Vorlauftemperatur schrittweise absenken. An der Heizungsregelung die Heizkurve in kleinen Schritten reduzieren, jeweils ein bis zwei Tage abwarten.
  3. An einem richtig kalten Tag prüfen. Wird es in allen Räumen noch behaglich warm? Dann haben Sie die tatsächlich nötige Temperatur gefunden.
  4. Notieren, welcher Raum zuerst schwächelt. Genau dort sitzt später die Maßnahme – meist ein zu kleiner Heizkörper, nicht das ganze Haus.

Dieser Test ist belastbarer als jede Berechnung am Schreibtisch, weil er das reale Gebäude misst und nicht ein Modell davon. Wenn Sie uns anrufen, ist er das Erste, wonach wir fragen. Haben Sie ihn schon gemacht, sparen wir uns gemeinsam eine Menge Annahmen.

Was die Vorlauftemperatur senkt – nach Aufwand sortiert

MaßnahmeWirkungAufwand
Hydraulischer AbgleichOft 5 bis 10 Grad weniger Vorlauf, weil nicht mehr für den schlechtesten Raum hochgeheizt wirdgering, ein Tag
Heizkurve richtig einstellenHäufig sind Anlagen ab Werk zu steil eingestellt. Kostet nichts außer Sorgfaltsehr gering
Einzelne Heizkörper vergrößernDer wirksamste Hebel im Bestand. Betrifft meist zwei bis vier Räumemittel
Gebläsekonvektoren in ProblemräumenBringen bei gleicher Baugröße deutlich mehr Leistung als klassische Heizkörpermittel
Kellerdecke und oberste Geschossdecke dämmenSenkt die Heizlast spürbar, meist die günstigste Dämmmaßnahme überhauptmittel
Flächenheizung nachrüstenIdeal, aber nur wirtschaftlich, wenn der Boden ohnehin geöffnet wirdhoch

Als Faustzahl gilt: jedes Kelvin weniger Vorlauftemperatur senkt den Stromverbrauch um rund zweieinhalb Prozent. Von 60 auf 45 Grad ist das grob ein Drittel. Deshalb ist Geld, das in die Absenkung der Vorlauftemperatur fließt, fast immer besser angelegt als Geld für ein größeres Gerät.

Schall und Nachbarschaft

Der häufigste Einwand gegen die Luft-Wasser-Wärmepumpe ist der Lärm – und der häufigste Streit entsteht, weil vorher niemand gerechnet hat.

Maßgeblich ist die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm. Gemessen wird nicht am Gerät, sondern am nächstgelegenen schutzbedürftigen Fenster des Nachbarn. Nachts – zwischen 22 und 6 Uhr – gelten 40 Dezibel im allgemeinen Wohngebiet und 35 Dezibel im reinen Wohngebiet. Tagsüber sind es 55 beziehungsweise 50 Dezibel.

Erreichbar ist das über den Aufstellort, den Abstand, die Ausrichtung des Ventilators und den Nachtbetrieb moderner Geräte. Wir rechnen den Schall vor der Montage nach und dokumentieren das. Ein Nachbarschaftsstreit ist teurer als jede Schallhaube.

Wann wir abraten

Es gibt Fälle, in denen die Wärmepumpe nicht die richtige Antwort ist, und wir sagen das auch dann, wenn es gegen den eigenen Auftrag spricht:

  • Das Gebäude braucht auch nach Abgleich und angepassten Heizflächen dauerhaft über 70 Grad Vorlauf.
  • Es gibt keinen Aufstellort, an dem die Schallwerte am Nachbarfenster einzuhalten sind.
  • Ein Wärmenetz liegt konkret und terminiert vor der Tür. Dann lohnt der Anschluss meist mehr.
  • Das Gebäude wird in absehbarer Zeit kernsaniert. Dann entscheidet man nach der Sanierung, nicht davor.

In diesen Fällen sind Pellet, eine Hybridlösung oder der Anschluss an Fernwärme die ehrlichere Empfehlung.

Förderung

Der hydraulische Abgleich, der Austausch einzelner Heizkörper und die Anpassung der Regelung sind als Heizungsoptimierung mit 15 Prozent förderfähig, mit individuellem Sanierungsfahrplan mit 20 Prozent. Die Wärmepumpe selbst wird mit 30 Prozent Grundförderung gefördert, plus Boni. Was in Ihrem Fall zusammenkommt, steht auf der Seite Zuschüsse – mit drei Rechenbeispielen und dem Eigenanteil, der am Ende übrig bleibt. Womit Sie bei den Gesamtkosten rechnen müssen, steht unter Was kostet eine neue Heizung.

Häufige Fragen

Funktioniert eine Wärmepumpe in einem Altbau?

Ja, in den meisten Fällen. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern die Vorlauftemperatur, die Ihr Haus an kalten Tagen braucht. Liegt sie bei 55 Grad oder darunter, arbeitet eine Wärmepumpe wirtschaftlich. Zwischen 55 und 70 Grad lohnt sie sich, wenn vorher einzelne Heizflächen vergrößert werden. Über 70 Grad ist sie in der Regel nicht die richtige Antwort.

Wie finde ich heraus, welche Vorlauftemperatur mein Haus braucht?

Mit einem Test, den Sie selbst machen können: Senken Sie im Winter die Vorlauftemperatur Ihrer Heizung schrittweise ab und öffnen Sie alle Thermostatventile vollständig. Bleibt es an einem kalten Tag in allen Räumen behaglich warm, kennen Sie die tatsächlich nötige Temperatur. Das ist die belastbarste Auskunft, die es gibt – belastbarer als jede Berechnung am Schreibtisch.

Muss ich alle Heizkörper austauschen?

Fast nie. In der Regel sind es einzelne Räume, die zu klein dimensionierte Heizflächen haben – oft das Bad und ein Zimmer an der Nordseite. Diese Heizkörper werden gegen größere oder gegen Gebläsekonvektoren getauscht, der Rest bleibt. Ein kompletter Austausch ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Was bringt der hydraulische Abgleich?

Er sorgt dafür, dass jeder Heizkörper genau die Wassermenge bekommt, die er braucht. Ohne Abgleich werden die Räume nahe der Heizung überversorgt und die entfernten unterversorgt – man dreht die Vorlauftemperatur hoch, um die letzten Räume warm zu bekommen. Der Abgleich senkt genau diese Temperatur. Bei einer Wärmepumpe ist er nicht optional, sondern Voraussetzung.

Wie viel spare ich pro Grad weniger Vorlauftemperatur?

Als Faustzahl rund zweieinhalb Prozent Stromverbrauch je Kelvin. Von 60 auf 45 Grad sind das grob ein Drittel weniger Strom für dieselbe Wärme. Deshalb ist jede Maßnahme, die die Vorlauftemperatur senkt, wirtschaftlich interessanter als ein größeres Gerät.

Wie laut ist eine Wärmepumpe und was gilt gegenüber dem Nachbarn?

Maßgeblich ist die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm. Gemessen wird nicht am Gerät, sondern am nächstgelegenen schutzbedürftigen Fenster des Nachbarn. Nachts, also zwischen 22 und 6 Uhr, gelten 40 Dezibel im allgemeinen Wohngebiet und 35 Dezibel im reinen Wohngebiet. Erreichbar ist das über Aufstellort, Abstand, Ausrichtung und den Nachtbetrieb des Geräts. Wir rechnen den Schall vor der Montage nach, nicht danach.

Brauche ich zwingend eine Fußbodenheizung?

Nein. Eine Flächenheizung ist ideal, weil sie mit niedrigen Temperaturen auskommt, aber sie ist keine Bedingung. Viele Altbauten laufen mit ausreichend groß dimensionierten Heizkörpern genauso gut. Wo ohnehin der Estrich raus muss, ist die Fußbodenheizung die naheliegende Entscheidung – nur dafür allein lohnt der Eingriff selten.

Was ist mit dem Warmwasser?

Warmwasser braucht höhere Temperaturen als die Heizung, und in größeren Anlagen kommt der Legionellenschutz dazu. Gelöst wird das je nach Fall über einen ausreichend dimensionierten Speicher, eine Frischwasserstation oder einen kleinen elektrischen Zusatz für die Hygieneschaltung. Das ist Routine und selten der Grund, warum eine Wärmepumpe nicht geht.

Wann ist eine Wärmepumpe die falsche Entscheidung?

Wenn das Haus auch nach hydraulischem Abgleich und Anpassung einzelner Heizflächen dauerhaft über 70 Grad Vorlauf braucht, wenn kein sinnvoller Aufstellort mit vertretbarem Schallabstand existiert, oder wenn ohnehin in wenigen Jahren ein Wärmenetz vor der Tür liegt. Dann sind Hybridlösungen, Pellet oder der Anschluss ans Netz die ehrlichere Antwort. Wir sagen das auch, wenn es gegen den eigenen Auftrag spricht.

Wir schauen uns Ihren Altbau an

Vor-Ort-Termin, Heizlast raumweise, Schallnachweis und eine ehrliche Aussage, ob sich die Wärmepumpe bei Ihnen rechnet. Auch dann, wenn die Antwort nein lautet.

Termin vereinbaren 07024 98322-0

Maier Heiztechnik GmbH · Wertstraße 12 · 73257 Köngen

Stand und Grundlagen: 31. August 2026. Schallwerte nach der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm), Nachtzeitraum 22 bis 6 Uhr, Immissionsort am nächstgelegenen schutzbedürftigen Fenster. Fördersätze nach der Bundesförderung für effiziente Gebäude. Die genannten Faustzahlen sind Erfahrungswerte aus unseren Projekten und ersetzen keine Heizlastberechnung. Fachbegriffe erklären wir im Glossar.

Nach oben scrollen